Der Traum ist aus! BERLIN+ ist gescheitert.

von Lisa Falkowski, Jonathan Kabelitz, Jürgen Kasek, Tom Rodig (Anti-Olympisches Komitee Leipzig)

Der vorzeitige Rückzug Berlins von der Olympia-Bewerbung – nur drei Tage vor der entscheidenden Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) – mag bei Sportfunktionären für Entsetzen sorgen.
Für das Anti-Olympische Komitee ist es ein Grund zu feiern. Offensichtlich hat die Kampagne mit dem Ziel, Leipzig nicht dem korrupten IOC preiszugeben, durchschlagende Wirkung gezeitigt. Wir danken auch an dieser Stelle den Anti-Olympischen Gruppen in Berlin, Rostock, Dresden und Bad Saarow für ihre erfolgreiche Arbeit.

Aus Sicht einer kritischen und vernünftigen Bürger*innenschaft ist dieser Schritt jedoch ebenfalls kein Drama, sondern das konsequente Ende eines von Anfang an fehlerhaften, intransparenten Megaprojekts. Dass Berlin nun die Reißleine zieht, wird in der politischen Debatte hastig als reine Folge der Berliner Abgeordnetenhauswahl inszeniert. Die Erzählung der enttäuschten Olympia-Macher ist simpel: Die Wählerinnen hätten „falsch“ gestimmt, und die designierte Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp (Linke) habe das Projekt mit ihrer Absage im Alleingang zerstört.

Diese Argumentation greift zu kurz und riecht stark nach einem kalkulierten Ablenkungsmanöver. Sie fügt sich nahtlos in die laufenden Kampagnen zur Berliner Regierungsbildung ein. Die Wahrheit liegt tiefer und ist im offiziellen DOSB-Evaluierungsbericht Schwarz auf Weiß nachzulesen: Das Konzept „Berlin+“ lag mit 74,6 Punkten abgeschlagen hinter München (87 Punkte) und Köln-Rhein-Ruhr (85 Punkte).

Die Bewerbung war ohnehin chancenlos. Sie krachte vor allem an einem Punkt gegen die Wand, der den Planern stets lästig war: der mangelnden demokratischen Legitimation. Während München und Nordrhein-Westfalen die Bevölkerung über (teilweise) erfolgreiche Bürger*innenentscheide hinter sich wussten, gab es für „Berlin+“ im Osten kein einziges Referendum.
Es war ein Projekt, das in den Hinterzimmern eines ausgewählten Zirkels geboren wurde, vorbei an den realen Bedürfnissen der Menschen. Auch die Beteiligung in Leipzig hatte nichts mit der Einbeziehung der Bürger*innenschaft zu tun.

Dass die sächsischen Partner in Leipzig, Dresden und Markkleeberg im Zuge des Rückzugs eiskalt überrumpelt wurden, passt perfekt in dieses Bild mangelnder Transparenz. Doch für Leipzig ist das Olympia-Aus wahrlich keine schlechte Nachricht.

In der Bewerbung von Berlin plus spielte Leipzig ohnehin nur eine Randnotiz, auch wenn das einige nicht wahrhaben wollen. Großevents dieser Größenordnung versprechen stets glanzvolle Bilder, hinterlassen aber oft finanzielle Trümmerfelder und soziale Härten.

Die Behauptung, dass durch Olympia der Breitensport umfassend profitiert hätte, hält einer Überprüfung selten stand; meist fließen die Millionen primär in elitengerechte Profi-Infrastruktur, ohne aber die Athleten und Athletinnen selber direkt von den Milliardeneinnahmen des IOC profitieren.

Viel schwerwiegender wären jedoch die mittelbaren Folgen für die Stadt Leipzig gewesen: Unkalkulierbare Risiken für die kommunalen Finanzen und eine absehbare Verschärfung der ohnehin angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt durch die Großinvestitionen. In Zeiten, in denen ein Großteil der Bevölkerung ohnehin Mühe hat, die täglichen Lebenshaltungskosten zu stemmen, verbietet sich die Verschwendung öffentlicher Gelder für vermeintlich prestigeträchtige Olympia-Träume von selbst. Die Macher*innen hinter „Berlin+“ und die sie tragenden Parteien müssen sich dieses Scheitern ins Stammbuch schreiben lassen.

Man kann ein solches Mammutprojekt in einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr von oben herab durchdrücken – intransparent, unglaubwürdig und ohne den Rückhalt der eigenen Bürgerinnen.

Olympia im Osten ist geplatzt. Und das ist auch gut so.

Das Anti-Olympische Komitee wird an dieser Stelle seine Tätigkeit ruhen lassen. Bis zum nächsten megalomanen Sportgroßprojekt.


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